Auf der Suche nach den „Wahren Österreichern“: Warum Österreicher keine Deutschen, Kärntner Slowenen jedoch sehr wohl „Echte Kärntner“ sind

Dies soll kein vollwertiger Artikel sein, sondern lediglich ein Kommentar. Aber vielleicht kommt noch ein ausführlicherer Artikel zu dem Thema.

Seit dem „unechte Kärntner“-Sager von FPK-Politiker Harald Dobernig – er bezeichnete die Kärntner Slowenen als eben solche – stellt sich mir die Frage wie man überhaupt einen „echten“ oder „unechten Österreicher“ definiert. Was macht einen Österreicher aus? Wer gehört dazu, wer nicht? Und was unterscheidet Österreicher von Deutschen?

Sieht man sich das Land des heutigen Österreich an, so merkt man, dass es in der Geschichte immer ein Grenzgebiet war und von verschiedensten Volkschaften besiedelt wurde. War Südösterreich – vor allem lustigerweise Kärnten – in frühester Zeit noch die Wiege der keltischen Kultur, so wurde der Osten lange Zeit von Slawen, Awaren und Magyaren bewohnt. Nur die Lande nördlich der Donau, im heutigen Oberösterreich war von Germanen besiedelt, die schließlich ihre Sprache verbreiteten.

Später kamen noch Illyrer, Römer, Hunnen und andere Völker ins Land und vermischten sich mit der einheimischen Bevölkerung.
Obwohl nach dem Einfall der Bayern bald alle deutsch sprachen kann man nicht sagen, dass Österreicher deutscher Herkunft seien. Die Vorfahren der meisten Österreicher gehörten nicht dem deutschen Volk an. Die Traditionen, vor allem auf dem Land haben weit mehr mit denen ihrer nicht deutschen Nachbarn gemeinsam als mit denen der deutschen Nachbarn.

Zur Zeit der Habsburgermonarchie vermischten die verschiedenen Nationen Österreich sich weiter, mit immer mehr Völkern, je mehr die Monarchie sich ausweitete. Vor allem die Reichs Haupt- und Residenzstadt Wien wurde zum Sinnbild des Multikulturalismus. Jahrhundertelang lebten all diese Volkschaften als Österreicher zusammen und vor allem vor dem Ersten Weltkrieg und auch in den Jahrzehnten danach beinhaltete das Wiener Telefonbuch mehr tschechische Namen als das Prager Telefonbuch.

Ein bekanntes Zitat, das dem derzeitigen tschechischen Außenminister Karl zu Schwarzenberg zu dem Thema zugesprochen wird, lautet:

„Österreicher und Deutsche sind zwei Völker mit einer Sprache. Österreicher und Tschechen sind ein Volk mit zwei Sprachen.“

Die Habsburger machten keinen Unterschied zwischen ihren deutschsprachigen und ihren ungarisch-, tschechisch-, italienisch-, rumänisch-, ukrainisch- oder jiddischsprachigen Untertanen. Die meisten Kaiser sprachen alle Sprachen ihrer Völker. Diesbezüglich waren sie beispielhaft.

Wer sagt, dass nur deutschsprachige Österreicher echte Österreicher sind? Oder echte Burgenländer, echte Tiroler oder – liebe FPK – echte Kärntner? Als 1920 darüber abgestimmt wurde, welche Länder bei Österreich bleiben, stimmte Kärnten mit starker Mithilfe der Kärntner Slowenen für den Verbleib bei Österreich und gegen den Anschluss an das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS-Staat), unter der Bedingung einiger Minderheitsrechte, wozu auch die so viel diskutierten zweisprachigen Ortstafeln (Stichwort: Ortstafelstreit) gehören. Wieso machen so viele Menschen Kärntens aus dieser Sache so ein großes Problem? Haben andere Bundesländer, wie das Burgenland nicht auch zweisprachige Ortstafeln? Gibt es dort Probleme, weil unter „Oberpullendorf“ auch „Felsöpulya“ steht oder unter „Oberwart“ auch „Felsöör“? Wenn es im Burgenland funktioniert, wieso nicht auch in Kärnten? Was ist so schlimm daran, wenn unter „Klagenfurt“ auch „Celovec“ steht? Wem tut das weh? Doch wohl nur dem deutschtümlerischen Ego gewisser Politiker, die von ihren Vorfahren her wohl weit weniger kärntnerisch sind als ihre slowenischsprachigen Nachbarn.

Was definiert nun ein Volk? Ist es die Herkunft, die Sprache oder die Kultur? Unsere Herkunft ist vermischt, genauso unsere Kultur und selbst die verschiedenen österreichischen Mundarten beinhalten Worte aus den Sprachen unserer nicht deutsch sprechenden Nachbarn. Was also soll uns so deutsch machen wie manche behaupten? Und warum sollte man auch noch stolz darauf sein, sich als deutsch zu verstehen? Sollten gerade wir Österreicher nicht stolz darauf sein, dass wir verschiedene Einflüsse in unserem Blut haben? Dass unsere Kultur die Summe der mitteleuropäischen Kulturen ist?

Die Kärntner Slowenen sind nicht in unser Land eingewandert, sie sind immer in ihrem Land geblieben – in ihrem Land, das auch unseres ist. Es wird Zeit, dass wir ihnen endlich die Rechte geben, die wir ihnen zugesichert haben und die ihnen verdammt noch mal schon seit fast 100 Jahren zustehen und dass wir es nicht tun, weil wir uns verpflichtet fühlen, sondern weil die Kärntner Slowenen unsere Österreichischen Mitbürger sind!

Bildnachweis: http://pluspunkt.at/var/storage/images/medien/images/plus_punkt_bilder/plus_punkt_02_2007/ortstafel_mit_handschriftlicher_ergaenzung/20629-2-ger-DE/ortstafel_mit_handschriftlicher_ergaenzung.jpg

Advertisements

2 Kommentare

  1. Endlich ein mal ein differenzierter Längsschnitt zur Problematik, danke!

  2. E i n l a d u n g zur
    P o d i u m s d i s k u s s i o n
    “ V a t e r l a n d E u r o p a – E u r o p a d e r V a t e r l ä n d e r ? “

    am
    Mittwoch, 17.Oktober 2012

    um
    19.00 Uhr

    im
    Curhaus, 1010 Wien, Stephansplatz 3 (Stefanisaal)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: