Österreichs Kampf gegen den Nationalismus – warum wir uns unserer Geschichte nicht schämen müssen

ZITATE:

„Wenn es Österreich nicht gäbe, müsste man es im Interesse Europas und der Menschheit erfinden.“

– Frantisek Palacký, Politiker der tschechischen Nationalbewegung –

_____________________________________________

„Du altes Österreich schlumm’re in Ruh
Lorbeer und Eichenlaub decken dich zu
Wenn sie dich schmähen, lass es geschehen –
Einstens wird man dich besser verstehen“

– Franz Conrad von Hötzendorf, Oberbefehlshaber der k.u.k. Armee –

_____________________________________________

„Deutsche, Ungarn und Dalmaten,
Slav‘, Lombarde und Kroat,
Seien einig im beraten
Und auch einig in der Tat!
Um dem Vaterland zu geben
Neuen Glanz und neuen Ruhm –
Mit vereinter Kraft erstreben
Wir ein mächtig Kaisertum.“

– aus einem anti-großdeutschen Entwurf für den Text der Österreichischen Volkshymne aus dem Jahre 1849 –

_______________________________________________

DIE HABSBURGERMONARCHIE IN DER HEUTIGEN WAHRNEHMUNG

In der heutigen Zeit wird die Habsburgermonarchie – vor allem in Österreich selbst – meist verteufelt: das Schlechte wird hervorgekehrt, das Gute totgeschwiegen und Fakten soweit gefärbt, dass das Kaiserreich als bestenfalls verstaubtes, schlimmstenfalls repressives Regime dasteht.
Dass die Habsburgermonarchie zu den ersten Ländern gehörte, in denen Leibeigenschaft und Sklaverei abgeschafft wurden (1781), sowie eines der ersten Länder war, die einen Mieterschutz einführten (und zwar durch eine kaiserliche Notverordnung im Jahre 1917) wird oft genauso verschwiegen und heruntergespielt wie die Tatsache, dass das Haus Habsburg vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Vorbildwirkung in Sachen Religionsfreiheit hatte. Durch das „Islamgesetz“ von 1912 wurden der islamischen Glaubensgemeinschaft bisher im christlichen Europa einzigartige Rechte eingeräumt, welche den Islam mit allen anderen Religionen gleichstellte (Artikel 1, §6 des  Gesetzes vom 15. Juli 1912; eingebracht vom Reichsrat, bestätigt von Kaiser Franz Joseph I), und auch Angehörige des Judentums standen vom 18. Jahrhundert bis zum Ende der Monarchie unter dem Schutz des Erzhauses.

NATIONALER BEFREIUNGSWILLE ODER GEZIELTE ZERSCHLAGUNG?

Dass die Monarchie schließlich durch den „Freiheitsdrang“ der „unterdrückten Völker“ zerfiel wird heutzutage im Schulunterricht oft hervorgekehrt, um zu zeigen, wie böse und unterdrückerisch die „Habsburg-Diktatur“ (um es mit den im Studentenkalender der öH benutzten Worten zu sagen) doch war. Dennoch beweist mannigfaltige Literatur, sowie Quellenberichte, dass die Völker der Monarchie größtenteils bis zum Ende des Ersten Weltkriegs für die Monarchie gekämpft haben. Man denke sich: was kam für diese Völker nach der Monarchie? Faschismus, Kommunismus, Terror und Niedergang.
Der ungarisch-französische Historiker und Resistance-Kämpfer  Francois Fejtö beschreibt in seinem Buch „Requiem für eine Monarchie – Die Zerschlagung Österreich-Ungarns“ sehr gut die Vorgänge, die zur (ursprünglich nicht geplanten) Zerstörung dieses vorbildlichen, völkerverbindenen, wenngleich auch verbesserungswürdigen Staatsgebildes geführt haben.
So sei die Zerstörung der Monarchie größtenteils auf den Plan der nationalistischen tschechischen Politiker Edvard Benes und Tomas Masaryk und deren Einfluss auf die Politik der Westmächte zurückzuführen. Ihr Hass auf das Haus Habsburg führte schließlich dazu, dass die Westmächte ihren ursprünglichen Plan, die Habsburgermonarchie als Gegengewicht gegen ein imperialistisches, expansionistisches Deutschland bestehen zu lassen, aufgaben, und stattdessen eine Reihe von Kleinstaaten schufen, die, wie sich 20 Jahre später zeigte, für das Deutsche Reich leichte Beute waren. Mit dieser Entscheidung wurde bereits der Grundstock für Hitlers anfänglichen Erfolg gelegt.

Wie sich nationaler Trotz und Blindheit gegenüber der Realität seitens der Tschechen auswirkte zeigte auch die Parole „Lieber Hitler als Habsburg“, die in den 1930er Jahren angesichts einer möglichen Rückkehr Otto von Habsburgs nach Österreich in der Tschechoslowakei kursierte.

DIE HABSBURGER UND DER ERSTE WELTKRIEG

Der Nationalismus war stets der größte Feind des europäischen Traumes der Familie Habsburg. So kann man, um zum Thema zurückzukehren, den Ersten Weltkrieg seitens Österreich-Ungarns als einen Kampf gegen den Nationalismus – genauer gegen die nationalistischen Staaten Serbien, Italien und Russland bezeichnen. Nationale Ideen kursierten in der Monarchie, und obwohl sie vom Großteil der Bevölkerung der Monarchie nicht getragen wurden, wurden sie dennoch von den Nachbarstaaten freudig aufgenommen, die versuchten, den Nationalitätenkonflikt innerhalb der Monarchie zu schüren und zu nähren. So hatte das Königreich Serbien – damals erst seit kurzem vom Osmanischen Reich unabhängig – von Beginn an ein Auge auf Bosnien und Kroatien geworfen.
Auch Staaten wie das ebenfalls erst junge Italien, Rumänien und Russland hatten ein Interesse daran, die Menschen in der Monarchie, die nach ihrer Auffassung zu ihrem Volk gehörten zu „befreien“ – mit oder gegen ihren Willen. Und zu guter Letzt war da auch noch das ebenfalls junge Deutschland, das auch, dem Bündnis mit den Habsburgern zum Trotz, seine Krallen nach der deutschsprachigen Bevölkerung der Donaumonarchie ausgestreckt hatte. Österreich-Ungarn befand sich also in einer misslichen Lage. Kaiser Franz Joseph I war seit 66 Jahren auf dem Thron. Unter seiner Herrschaft erlebte Mitteleuropa die längste Friedenspersiode bis dato (hatte die Habsburgermonarchie doch seit 1866 keinen einzigen Krieg mehr geführt, und selbst dieser Krieg war ein Verteidigungskrieg), was dazu führte, dass der betagte Monarch 1914 sogar für den Friedensnobelpreis nominiert war. Dennoch war Kaiser Franz Josephs Leben gezeichnet von Schicksalsschlägen: sein Bruder Ferdinand Maximilian wurde in Mexiko von Republikanern ermordet, seine Frau Kaiserin Elisabeth fiel dem Attentat eines Geisteskranken zum Opfer (der später oft als Anarchist stilisiert wurde, was er nach eigenen Angaben in seiner Autobiographie jedoch nicht war), zuvor hatte sein einziger Sohn sich bereits selbst das Leben genommen (wie man annimmt) und nun wurde am 28. Juni 1914 auch noch sein Großneffe und Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo von serbischen Nationalisten ermordet. Die darauffolgende Kriegserklärung an Serbien, die den Ausbruch des Ersten Weltkriegs schließlich auslöste, war eine Reihe von unglücklichen Zufällen und Missverständnissen, die ihresgleichen in der Geschichte nicht kennt.

Auch heute wird die Schuld am Ersten (und auch Zweiten) Weltkrieg gerne Österreich gegeben – vor allem durch Deutsche. Man argumentiert, die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien habe den Ersten Weltkrieg ausgelöst, und Deutschland sei nur durch den sogenannten „Blankoscheck“ in den Konflikt hineingezogen worden.
Dass dies eine unhaltbare Position ist zeigt sich bereits durch die Kriegsziele der verschiedenen Staaten. Die meisten beteiligten Staaten strebten nach expansionistischen Zielen: Deutschland strebte nach einem „Platz an der Sonne“ (sprich weiteren Kolonien in Afrika und anderen südlichen Gebieten) und der Demütigung des Erbfeindes Frankreich, sowie der territorialen Ausdehnung nach Osten, Frankreich selbst strebte nach Rache für die „Schmach von 1871“ als Deutschland im Spiegelsaal von Versailles gegründet wurde und nach der Rückeroberung Elsaß-Lothringens, Italien strebte nach den italienischsprachigen Gebieten der Habsburgermonarchie Trient und Triest, Serbien nach Bosnien und Kroatien, Rumänien nach Siebenbürgen und der Bukowina, Russland nach Galizien.
Und wonach strebte Österreich-Ungarn? Welche Gebiete wollte Österreich erobern? Welchen Zweck sollte eine Ausdehnung haben?
Die Habsburgermonarchie war multinational und somit nicht nationalistisch. Die verschiedenen Völker lebten mehr oder weniger harmonisch nebeneinander, auch wenn es öfter Konflikte gab. So strebte die Habsburgermonarchie zu Beginn des Krieges nur nach Selbstverteidigung. Man wollte die eigene Integrität und Souveränität sowie das eigene Existenzrecht in einer dem Nationalismus verfallenen Zeit bewahren. Von außen wurde der Monarchie von überall her das Messer an die Kehle gesetzt, so gut wie alle Nachbarstaaten erhoben Anspruch auf einen Teil vom Kuchen. Erst später formulierte der Oberbefehlshaber der k.u.k Armee, Franz Conrad von Hötzendorf das Kriegsziel, Serbien, Montenegro und vielleicht Teile von Albanien für einen Ausgleich mit den südslawischen Völkern der Monarchie sowie eventuell Russisch-Polen für einen Ausgleich mit den Polen Galiziens zu erobern, um so den nationalen Bestrebungen der Nachbarstaaten entgegenzuwirken. Doch auch dieses Kriegsziel wurde nur halbherzig verfolgt und kann nicht als Signal expansionistischer Bestrebungen Österreichs gewertet werden.

DIE ROLLE DEUTSCHLANDS

Dass Deutschland die Interessen seines Bundesgenossen nicht interessierte und keineswegs unwillentlich in diesen Krieg nur hineingeschlittert ist, wie viele Deutsche heute gerne behaupten, sondern den Krieg durchaus willkommen hieß um eigene Ziele zu verfolgen, zeigt sich auch darin, dass es nur zu bereit war, Österreich-Ungarn im Dienste der eigenen expansionistischen Interessen, die nichts mit dem Konflikt mit Serbien zu tun hatten, zu verkaufen.
So war Deutschland dem Anschluss Siebenbürgens an Rumänien, Galiziens an Russland oder Triests an Italien durchaus nicht abgeneigt, wenn es (Deutschland!) dafür Gebietsgewinne im Westen oder Osten bekäme – Hauptsache der Bundesgenosse Österreich zahlt.
Bezüglich Russisch-Polen, welches Österreich für einen eventuellen Ausgleich mit den Polen in der Monarchie selbst beanspruchte, stimmte Deutschland sogar unter der Bedingung zu, dass die Donaumonarchie ihre Souveränität zugunsten Deutschlands aufgäbe und Österreich, Ungarn und Polen zu deutschen Satellitenstaaten würden.
Als Paul von Hindenburg 1916 das Kommando über die Deutsche UND de facto auch über die k.u.k. Armee übernahm, war es mit der österreichisch-ungarischen Autonomie ohnehin vorbei – dergleichen ist einzigartig in der Geschichte und zeigt, wie absurd es ist, wenn Deutsche heutzutage Österreich die Schuld an einem Krieg geben, den sie selbst die meiste Zeit gesteuert haben.
Als Kaiser Karl I seinem Großonkel Franz Joseph 1916 auf den Thron folgte und die Front besuchte sah er das unendliche Leid auf den Schlachtfeldern und beschloss, den Krieg sofort zu beenden. Vorsichtig fühlte er über seinen Schwager, den Bourbonenprinzen Sixtus vor, ob Frankreich für einen Separatfrieden zu haben sei. Französische Politiker kamen den geheimen Gesprächen jedoch auf die Schliche und stellten Österreich durch Veröffentlichung der „Sixtus-Briefe“ vor dem deutschen Bundesgenossen bloß, um die Einheit der Mittelmächte zu schwächen. Daraufhin besuchte der deutsche Kaiser Wilhelm II Wien und drohte Kaiser Karl I mit einem deutschen Einmarsch, sollte dieser noch einmal ohne Absprache versuchen, Frieden zu schließen.

RESULTATE DES WELTKRIEGS: DIE ZERSCHLAGUNG ÖSTERREICH-UNGARNS UND DIE FOLGEN

Aufgrund der oben genannten Gründe war der Erste Weltkrieg also von Seiten Österreichs ein Verteidigungskrieg, während die meisten der anderen beteiligten Staaten (außer vielleicht des Osmanischen Reiches) expansionistische Pläne hatten.
Dass die Expansionisten den Krieg schließlich gewannen, sieht man auch am Ergebnis. Die Staaten mit den meisten Gebietsverlusten waren jene, welche eigentlich nur ihren Bestand sichern wollten: das Staatsgebiet des Osmanischen Reiches, von etwa 3.400.000 qkm auf 814.578 qkm reduziert. Österreich-Ungarn wurde als Staat aufgelöst – dergleichen ist sehr ungewöhnlich und eine übertrieben radikale Konsequenz, die es in der Geschichte zuvor in dieser Form nie gegeben hat!
Vom alten, 675.967 qkm großen Österreich-Ungarn blieben 83.879 qkm bei Österreich (inklusive des Erwerbs des Burgenlandes) und 93.036 qkm bei Ungarn. Beide Staaten sahen sich jedoch nicht als Rechtsnachfolger der alten Monarchie, sondern – wie zB die Tschechoslowakei – als Nachfolgestaaten. Somit war zum ersten Mal in der Geschichte ein Staat als Sühne für einen Krieg vollkommen aufgelöst worden.

Die wahren Nutznießer des Ersten Weltkrieges waren schließlich die Nationalisten: wie geplant fiel Siebenbürgen (gegen den Willen der Bevölkerung) an das (infrastrukturell unterentwickelte) Königreich Rumänien, die slawische Bevölkerung Nordungarns wurde in einen Staat mit den dominierenden Tschechen gezwungen (in der Tschechoslowakei wurden Slowaken nie als gleichwertig betrachtet), Triest und Trient wurden Italien angeschlossen (das mehrheitlich deutschsprachige Südtirol wurde einfach mitgenommen und schließlich zum Goldesel und Finanzier Italiens), Kroaten, Bosnier und Slowenen wurden für fast 90 Jahre unter serbische Herrschaft gezwungen, die schließlich in Völkermord und Massenflucht endete, Teile Galiziens fielen zuerst an Polen und dann an die sowjetische Ukraine und wurden zum Hauptopfer der stalinistischen Politik (Stalin hungerte die Bevölkerung der Ukraine systematisch aus um nach außen hin das Versagen der sozialistischen Kollektivierungspolitik nicht zugeben zu müssen). Dass die Habsburgermonarchie auch während der kommunistischen Herrschaft in den östlichen Staaten Mitteleuropas weiterhin präsent blieb ist kein Zufall – schließlich ging es den meisten Völkern bis zum Fall des Eisernen Vorhanges nie wieder so gut wie unter der Herrschaft der Habsburger.

Eine oft verschwiegene Tatsache ist auch, dass „nichtdeutsche“ Bewohner des neuen „deutschen“ Österreichs nach der Ausrufung der Republik in „ihre angestammten Staaten“ (zB. die neue Tschechoslowakei) ausgewiesen wurden. So verlor die Hauptstadt Wien fast ein Zehntel ihrer Einwohner. Da viele dieser Menschen in diesen „angestammten“ Staaten keinerlei Angehörigen hatten, landeten sie auf der Straße.

Wie es mit Österreich nach dem Weltkrieg weiterging ist auch bekannt: auf die relativ demokratische und gemäßigte Herrschaft der Habsburger folgten Bürgerkrieg, Faschismus, Fremdherrschaft, Krieg und Zerstörung – und letztlich alle Begleiterscheinungen und Spätfolgen dieser schrecklichen Zeit: Schuldgefühle, Desillusionierung und eine Scham vor der eigenen Geschichte, wie es sie sonst in keinem Land der Welt gibt.

DIE WAHRHEIT ÜBER DIE MONARCHIE

Wie das Leben in der Habsburgermonarchie, entgegen heute oft verbreiteter Vorurteile wirklich war beschreibt Stefan Zweig in seinem Buch „Die Welt von Gestern – Erinnerungen eines Europäers“:

 „Man lebte gut, man lebte leicht und unbesorgt in jenem alten Wien, und die Deutschen im Norden sahen etwas ärgerlich und verächtlich auf uns Nachbarn an der Donau herab, die, statt ‚tüchtig‘ zu sein und straffe Ordnung zu halten, sich genießerlisch leben ließen, gut aßen, sich an Festen und Theatern erfreuten und dazu vortrefflich Musik machten. Statt der deutschen ‚Tüchtigkeit‘, die schließlich allen anderen Völkern die Existenz verbittert und verstört hat, statt dieses gierigen Allen-andern-vorankommen-Wollens und Vorwärtsjagens liebte man in Wien gemütlich plaudern, pflegte ein behagliches Zusammensein und ließ in einer gutmütigen und vielleicht laxen Konzilianz jedem ohne Missgunst seinen Teil. ‚Leben und leben lassen‘ war der berühmte Wiener Grundsatz, ein Grundsatz, der mir noch heute humaner erscheint als alle kategorischen Imperative, und er setzte sich unwiderstehlich in allen Kreisen durch. Arm und reich, Tschechen und Deutsche, Juden und Christen wohnten trotz gelegentlicher Hänseleien friedlich beisammen, und selbst die politischen und sozialen Bewegungen entbehrten jener grauenhaften Gehässigkeit, die erst als giftiger Rückstand vom Ersten Weltkrieg in den Blutkreislauf der Zeit eingedrungen ist. Man bekämpfte sich im alten Österreich chevaleresk, man beschimpfte sich zwar in den Zeitungen, im Parlament, aber dann saßen nach ihren ciceronianischen Tiraden dieselben Abgeordneten freundschaftlich beisammen beim Bier oder Kaffee und duzten einander; selbst als Lueger als Führer der antisemitischen Partei Bürgermeister der Stadt wurde, änderte sich im privaten Verkehr nicht das mindeste, und ich persönlich muss bekennen, weder in der Schule, noch auf der Universität, noch in der Literatur jemals die geringste Hemmung oder Missachtung als Jude erfahren zu haben.“
(Zweig, Stefan: Die Welt von Gestern, Fischer Verlag.)

Ja, es gab Antisemitismus in der Habsburgermonarchie (wie in jedem westlichen Staat zu dieser Zeit), jedoch gab es diesen Antisemitismus nicht, wie vor allem von Linken heute oft und gern behauptet wegen der Monarchie, sondern trotz der Monarchie – das Haus Habsburg hatte die jüdische Bevölkerung unter seinen Schutz gestellt, was einer der Gründe war, wieso die Juden in der ganzen Monarchie stets treu zum Herrscherhaus standen und sich nicht vom sonst überall kursierenden Nationalismus mitreißen ließen.

KAISER OHNE KRONE – DOCH MIT NEUER MISSION: OTTO VON HABSBURG

Otto von Habsburgs Engagement gegen den Nationalsozialismus – er wollte Roosevelt davon überzeugen, ein Österreicher-Korps gegen die Nazis aufzustellen (was schließlich an der Intervention Benes‘ scheiterte) und er rettete tausenden im Dritten Reich aus verschiedensten Gründen Verfolgten durch die Beschaffung von Reisevisa über Spanien und Portugal nach Amerika das Leben – zeigt, wie tief die Abscheu vor der künstlichen Erschaffung nationaler Grenzen und dem Rassenhass bei der Familie Habsburg verankert war und ist.
Auch das Engagement der Habsburger gegen den Eisernen Vorhang und für die Einigung Europas spricht für sich. Es ist kein Zufall, dass Otto von Habsburg bereits in den 1930er Jahren den Europäischen Traum zu träumen begann und der Paneuropa-Bewegung des österreichisch-japanischen Adeligen Richard Nikolaus von Coudenhove-Kalergi beitrat, als die Zeichen ganz und gar nicht auf vereintes Europa standen und dass er wichtiger Mitinitiator des Paneuropäischen Picknicks war, im Zuge dessen der Eiserne Vorhang nicht nur symbolisch durchtrennt sondern ganz real für ein paar Stunden geöffnet worden war, was einer großen Anzahl von DDR Bürgern und Ungarn die Flucht aus ihren von verhassten kommunistischen Regimes beherrschten Ländern ermöglichte.

CONCLUSIO:

Trotz allen Fehlern, die die Habsburger in der Vergangenheit gemacht haben, können wir dennoch stolz sein, dass diese Familie unser Land Jahrhunderte lang regiert hat. Die Habsburgermonarchie hat es nicht verdient, von der öffentlichen Meinung derart schlecht bedacht zu werden, wie es heute oft der Fall ist. Natürlich war nicht alles perfekt und vieles verbesserungswürdig – aber das war in den damaligen Republiken nicht anders.
Ich bin sicher, dass das österreichische Kaiserreich ein Modell für ein vereintes Europa war, wie es sonst keines gab und dass es in sehr vielen Dingen seiner Zeit voraus war – auch wenn es in anderen Dingen zugegebenermaßen hinterherhinkte. Das Kaisertum Österreich und später Österreich-Ungarn führten zwischen 1866-1914 KEINEN einzigen Krieg. Abgesehen von der Zeit seit dem zweiten Weltkrieg war dies die längste Friedensperiode der neueren Geschichte. Und das WAR ein Verdienst der Habsburger!
Es wird Zeit, auch die guten Seiten Österreichischer Geschichte zu zeigen und die tausendjährige Geschichte unseres Landes nicht mehr nur anhand von sieben Jahren Naziherrschaft zu be(und ver-)urteilen.
Also Österreicher: lasst euch nicht mehr abfällig behandeln, vor allem nicht von Deutschen, Linken oder anderen. Viele Deutsche versuchen, uns die Schuld an allem zu geben um selbst besser dazustehen; die Linken verteufeln die Zeit der Monarchie um die Fehler ihrer eigenen Gesinnung – und die damit verbundenen 150 Millionen Opfer des Kommunismus zu verdecken.
Ihr sollt wissen, dass Menschen, die auf Österreich stolz sind nichts haben, wofür sie sich schämen müssten, solange sie respektvoll mit Menschen anderer Herkunft und Gesinnung umgehen – wie es Österreich immer tat. Wir Österreicher sind ein Mischvolk, dessen Kultur aus Einflüssen verschiedenster Völker entsprang (was vor allem an der Weltoffenheit und dem Multikulturalismus der Habsburger lag), das waren wir immer und werden wir immer sein. Seien wir stolz darauf – dazu haben wir wirklich das Recht!

LITERATUREMPFEHLUNGEN:

Cornwall, Mark (Hg.): „Die letzten Jahre der Donaumonarchie. Der erste Vielvölkerstaat im Europa des 20. Jahrhunderts“. Magnus Verlag. 2004. ISBN: 978-3-88400-415-9

Fejtö, Francois: „Requiem für eine Monarchie. Die Zerschlagung Österreich-Ungarns“. ÖBV. 1991. ISBN: 3-215-07526-1

Habsburg, Otto von: „Mut zur Pflicht. Warum wir mehr Verantwortung tragen müssen“. Patmos. 2011. ISBN: 978-3-8436-0044-6

Trost, Ernst: „Das blieb vom Doppeladler. Spuren und Wirkungen der alten Monarchie“. Amalthea. 2002.. ISBN: 978-3-85002-4921

Zweig, Stefan: „Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers“. Fischer. 1942, 1970, 2012.
ISBN: 978-3-596-21152-4

Bildnachweis: http://www.flickr.com/photos/_dchris/5402227910/sizes/o/in/photostream/

Advertisements

3 Kommentare

  1. […] bereits in meinem Artikel über die Habsburgermonarchie beschrieben, erkennt man wieder, wiesehr die Habsburger – auch Otto von Habsburg – […]

  2. Tja, früher war nicht alles schlechter. Die Monarchie wird ja heute viel geschmäht, während die demokratische Republik als die immer und in jedem Fall überlegene Staatsform gepriesen wird. Dabei war gerade das 19. Jahrhundert gar nicht so dunkel, wie oft geglaubt, während heute gewiss nicht alles Gold ist in der westlichen Welt.

    Ein österreichischer Monarch sagte einmal, seine Aufgabe wäre es, das Volk vor dem Parlament zu schützen, oder so ähnlich. Wissen Sie, welcher Monarch das war?

    Verblüfft haben mich Ihre Bemerkungen zu Scham und Schuldzuweisungen. So schreiben Sie, in Österreich gäbe es „eine Scham vor der eigenen Geschichte, wie es sie sonst in keinem Land der Welt gibt“ und behaupten: „Auch heute wird die Schuld am Ersten (und auch Zweiten) Weltkrieg gerne Österreich gegeben – vor allem durch Deutsche.“ Was Sie hier in Bezug auf Österreich sagen, trifft meines Erachtens gerade auf Deutschland zu. In Deutschland schämt man sich in der Regel nicht nur seiner Geschichte, sondern auch seines Deutsch-Seins. Und bezüglich der Schuld an den Weltkriegen habe ich immer wieder gehört, diese läge bei Deutschland. Dass Deutsche Österreichern die Schuld an einem der Weltkriege geben, habe ich praktisch nie erlebt. Beim Zweiten Weltkrieg wäre das ja auch ausgesprochen albern, da bei dessen Ausbruch Österreich als unabhängiger Staat gar nicht mehr existierte. Hitler war zwar gebürtiger Österreicher, aber er war der Kopf einer deutsch-nationalistischen Bewegung, deren Mitglieder fast ausschließlich Deutsche waren.

    Es scheint also, als ob sowohl bei Österreichern als auch bei Deutschen die Wahrnehmung existiert, man müsse sich seiner Geschichte im Wesentlichen schämen und die anderen Völker erwarteten das auch so. Aber woraus speist sich Ihre Ansicht, die Deutschen würden österreichische Schuldgefühle forcieren? Ich möchte hier keinen deutsch-österreichischen Kleinkrieg anfangen. 😉 Diese Frage interessiert mich einfach.

  3. Nun ja, ich höre immer wieder Deutsche sagen oder in Foren schreiben, dass Wilhelm II ja immer den Krieg verhindern wollte, dass er ja als „Friedenskaiser“ in die Geschichte eingehen wollte, dass er ja mit dem britischen Königshaus verwandt war und deswegen den Krieg ja gar nicht gewollt haben KANN. Auch in deutschen Dokus wird das oft so dargestellt. Das böse Österreich will aus Jux und Tollerei einen Krieg mit Serbien und Deutschland hat nur den Fehler gemacht, Österreich zuvor zuzusichern, dass es ihm immer beisteht und sei so in den Krieg hineingeschlittert. Das wird die „Blankocheck-These“ genannt. Davon, dass Wilhelm II von Anfang an stark imperialistisch eingestellt war und den Krieg geradezu forciert hat, bzw Karl I gehindert hat, den Krieg mit eventuellen Gebietsabtrennungen Österreichs und Deutschlands zu beenden, wird in deutschen Dokus eher wenig berichtet, kommt mir vor.
    Überhaupt wenn ich mir das Fernsehprogramm so ansehe merke ich, dass Nationalstolz in Deutschland durchaus wieder salonfähig wird, und es viele Dokus (zum Beispiel „Die Deutschen“) gibt, die in einer sehr verklärenden Art hauptsächlich die guten Seiten deutscher „aufgeklärter“ Geschichte zeigen. Klar der Nationalsozialismus trübt den Nationalstolz der Deutschen etwas, dennoch bekommt man immer, wenn man als Österreicher mit Deutschen darüber spricht die Antwort „Aber Hitler war ja Österreicher“. So als würde das alles entschuldigen, war ja ein Österreicher schuld, nicht das aufgeklärte Deutschland, das entschuldigt natürlich alles. Natürlich ist das nicht immer so, es kommt aber unglaublich oft vor. Vielleicht ist das nur, wenn man als Österreicher mit Deutschen diskutiert und nicht wenn Deutsche untereinander diskutieren. Aber mir kommt es eben so vor, als würde Österreich sehr gerne als Sündenbock genutzt, um selbst besser dazustehen. Und wenn Sie mal nach Österreich kommen – Nationalstolz gleich null! Gerade mal wenn es um Sport geht oder am Nationalfeiertag sieht man etwas Patriotismus aber dazwischen…..Sense. Das ist kein vergleich zu anderen Europäischen Ländern wie der Schweiz oder Dänemark, wo fast an jedem Haus eine Fahne hängt – auch ohne offiziellen Anlass. Und auch in Deutschland kommt es mir vor, dass man mehr fahnen an Privathäusern sieht. In Österreich traut man sich eben nicht so richtig. Das liegt wohl daran, dass die Familie Habsburg in Österreich nicht beliebt ist und die Geschichte Österreichs ja eng mit der der Habsburger verschmolzen ist. Das ist in deutschland ja auch anders. Als der Prinz von Preußen neulich ein Kind bekam, soll ja sogar der Bundespräsident gratuliert haben. Das wäre in Österreich undenkbar. Das meine ich mit Scham und teilweise Verleugnung der Geschichte. Und das finde ich unglaublich Schade, weil gerade die Habsburger sehr oft ihrer Zeit voraus waren und viele Dinge eingeführt haben, ohne die das zivilisierte Leben heute undenkbar wäre. In keinem anderen der ehemaligen Kronländer sind die Habsburger so verpönt wie in Österreich.
    Verstehen Sie, was ich meine?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: